Über Geothermie

Auf dieser Seite erfahren Sie, was Geothermie ist, welche Vorteile sie für die Wärmeversorgung bietet und warum Gräfelfing ein geeigneter Standort für die Nutzung ist.

Geothermie verstehen

Was ist Geothermie?

Unsere Erde ist voller Energie! Diese Energie schlummert im Untergrund. Je tiefer man ins Erdinnere vordringt, desto heißer wird es.

Mithilfe der Geothermie kann die in der Erdkruste gespeicherte Wärmeenergie zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung genutzt werden. Es handelt sich zudem um eine nachhaltige, regionale und witterungsunabhängige Energiequelle.

  • Wie entsteht Erdwärme?

    Geothermie oder auch Erdwärme ist die im Erdinneren gespeicherte Wärme. Je nach Tiefe unterscheidet sich die Temperatur stark.

    Während 3 km unter der Erdoberfläche rund 100 °C gemessen werden können, werden für den Erdkern Temperaturen von über 5.000 °C vermutet. Der überwiegende Teil des Erdballs, rund 99 %, ist heißer als 1.000 °C.

    Im Durchschnitt steigt die Temperatur alle 100 m um 3 °C (geothermischer Gradient). In Tiefen ab 2.000 m finden sich für die Erzeugung von Fernwärme oder Strom ausreichende Temperaturen.

    Diese nach menschlichen Maßstäben unerschöpfliche Energiequelle kann mittels einer Geothermieanlage nutzbar gemacht werden. Besonders an Standorten, die über günstige geologische Strukturen in Verbindung mit wasserführenden Schichten verfügen, bietet sich die Erschließung an.

    Wenn Vorkommen an Tiefenwasser für die Wärmeerzeugung genutzt werden, wird das Verfahren hydrothermale Geothermie genannt.

  • Tiefe Geothermie in Bayern

    Das bayerische Molassebecken und der Malm-Aquifer bilden ideale geologische Gegebenheiten für hydrothermale Tiefengeothermie.

    In Deutschland sind mittlerweile 42 Geothermieanlagen in Betrieb. Sie verfügen über eine installierte Wärmeleistung von rund 408 Megawatt thermisch (MWth). Hinzu kommt eine elektrische Leistung von 55 Megawatt elektrisch (MWel). Etliche Projekte sind aktuell in verschiedenen Planungsstadien und werden in der kommenden Zeit ans Netz gehen.

    Durch das stetige Absinken des Reservoirs in Richtung Alpen nimmt auch die Temperatur nach Süden hin zu. Derzeit sind in Bayern 25 Anlagen in Betrieb. Die tiefste Bohrung liegt in Holzkirchen, wo aus 5.079 m Tiefe Thermalwasser mit rund 155 °C gefördert wird.

    Infografik Deutschland
    Temperaturen in Deutschland in 1.000 und 3.000 m Tiefe. © Agemar LIAG

    Bayern liegt im süddeutschen Molassebecken, das sich von der Donau bis zu den Alpen erstreckt. Diese Region ist geologisch besonders für die Nutzung der hydrothermalen Tiefengeothermie geeignet. In den zerklüfteten Kalksteinformationen des sogenannten Oberjuras ist heißes Tiefenwasser vorhanden. Diese geologische Schicht taucht von der schwäbisch-fränkischen Alb im Norden nach Süden bis unter die Alpen ab.

  • Zukunftsperspektive für die Geothermie in Deutschland

    Derzeit spielen Erdöl und -gas eine übergeordnete Rolle auf dem Energiegewinnungsmarkt, was zu hohen CO2-Emissionen führt. Die aktuelle Regierungskoalition macht nun deutlich, dass heimische Energiequellen nutzbar gemacht werden sollen, um weniger klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen und sich gleichzeitig geopolitisch unabhängiger zu positionieren. Ziel sei es, die Hälfte der kommunalen Wärme bis 2030 aus klimaneutralen Quellen zu gewinnen. Hierbei kann die tiefe Geothermie einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie ist klimaneutral, witterungsunabhängig und damit geeignet, die Grundlast abzudecken.

    Mit der Frage, welche Rolle die Geothermie in Zukunft im deutschen Energiesystem einnehmen wird, haben sich die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) und das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) befasst. Mit der „Roadmap Tiefe Geothermie für Deutschland“ werden Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufgezeigt, um die Wärmewende erfolgreich zu gestalten.

    So kann die hydrothermale Geothermie nach den Abschätzungen der Roadmap rund ein Viertel des Gesamtwärmebedarfes Deutschlands decken. Dies entspricht rund 300 TWh Jahresarbeit bei 70 GW installierter Leistung. Zum Ausbau der geothermalen Erzeugungsinfrastruktur und zur Anbindung an kommunale Verteilungsinfrastrukturen für Wärme kommen auf öffentliche Haushalte und private Unternehmen in den kommenden zehn Jahren Investitionen in Höhe von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro je GW installierter Leistung zu.

Geothermie verstehen

Klare Vorteile der Geothermie

Vorteile

Versorgungs­sicherheit und Unabhängigkeit

Unser Planet erzeugt zuverlässig und kontinuierlich Wärme. Wir sitzen in Gräfelfing wortwörtlich “an der Quelle” und sind somit unabhängig von globalen Lieferketten.

Wirtschaftlichkeit und Preisstabilität

Bei der Umstellung auf Fernwärme erwarten Sie im Vergleich zu anderen Heizsystemen eine geringe initiale Investition sowie stabile und planbare laufende Kosten.

Sauberkeit und Klimafreundlichkeit

Für die Wärmeversorgung durch Geothermie werden keine fossilen Brennstoffe verbrannt, was zu einem beinahe neutralen CO2-Fußabdruck beiträgt.

Platzsparend

Heizkessel, Brennstofflager sowie Kamin werden nicht benötigt. Das schafft zusätzlichen Platz in Ihrem Gebäude.

Klare Vorteile des Standorts Gräfelfing

Standort

Geologisch günstige Lage

Gräfelfing liegt direkt über dem Malm-Aquifer – einer in Gräfelfing etwa 3.000 Meter tiefen, wasserführenden Gesteinsschicht, die ca. 90 °C warmes Wasser führt.

Abnehmernähe und bestehende Infrastruktur

Der Bohrstandort liegt nahe am Gräfelfinger Gewerbegebiet mit bestehender Fernwärme Infrastruktur, als auch an Gräfelfinger Wohnsiedlungen.

Erfolgreiche Projekte in der Region

In der Region um München gibt es bereits eine Vielzahl an erfolgreichen Geothermie Projekten, welche sehr positive Vergleichsdaten zu Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit liefern.

Eine Darstellung der Tiefenbohrung in Gräfelfing

Geothermie verstehen

Schutz von Mensch, Klima und Umwelt

Geothermie kann den Ausstoß von Treibhausgasen senken und fossile Brennstoffe ersetzen. Damit die Wärmegewinnung auch vor Ort verantwortungsvoll erfolgt, gehören der Schutz des Wassers, die Überwachung des Untergrunds und die Begrenzung von Lärm zu Planung, Bau und Betrieb.

  • Klima und Umwelt entlasten

    Die Nutzung von Erdwärme kommt ohne Verbrennung fossiler Brennstoffe aus. Ersetzt sie Öl- oder Gasheizungen, lassen sich Treibhausgase und lokale Verbrennungsabgase verringern. Die gesamte Wärmeversorgung ist dennoch nicht automatisch emissionsfrei: Auch der Strombedarf der Anlage, ihr Bau und ergänzende Wärmeerzeuger beeinflussen die Klimabilanz. Dennoch verursacht Geothermie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg in der Regel deutlich geringere Treibhausgasemissionen als fossile Heizsysteme und gilt daher als besonders klimafreundliche Form der Wärmeversorgung.

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  • Trink- und Grundwasser schützen

    Genutzt wird heißes Thermalwasser aus tief liegenden Gesteinsschichten. Die oberflächennahen Grundwasservorkommen, die für die Trinkwasserversorgung wichtig sind, müssen davon getrennt bleiben.

    Dafür werden die Bohrungen mit Stahlrohren und Zementierungen gegenüber den durchbohrten Schichten abgedichtet. Die Dichtheit der Bohrungen wird während des Baus und im Betrieb kontrolliert. Nach der Wärmeentnahme wird das Thermalwasser über eine zweite Bohrung in die ursprüngliche Gesteinsschicht zurückgeführt. Technische Anforderungen und behördliche Prüfungen begleiten die Erschließung und Nutzung.

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  • Erschütterungen und Lärm überwachen

    Die Nutzung des tiefen Untergrunds kann Druck- und Spannungsverhältnisse verändern und dadurch seismische Ereignisse auslösen. Deshalb werden die geologischen Bedingungen untersucht und der Untergrund mit einem seismischen Messnetz überwacht. Die Messdaten helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und den Betrieb bei Bedarf anzupassen.

    Auch der Lärmschutz gehört zur Planung und zum Betrieb. Für die Arbeiten am Bohrplatz und den späteren Anlagenbetrieb gelten verbindliche Schallgrenzwerte. Lärmarme Geräte und Schallmessungen dienen dazu, die Belastung der Nachbarschaft zu begrenzen und die Einhaltung der Vorgaben zu prüfen.

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Geothermie verstehen

Vorteile für die Gemeinde

Mit Geothermie erschließt Gräfelfing eine eigene Wärmequelle für Haushalte, Betriebe und öffentliche Gebäude. Das stärkt die regionale Wirtschaft und schafft eine langfristige Grundlage für die Wärmeversorgung der Gemeinde.

  • Wertschöpfung in der Region halten

    Investitionen in die Geothermieanlage und das Fernwärmenetz kommen der örtlichen Energieinfrastruktur zugute. Planung, Bau und Betrieb bieten Aufträge und Beschäftigungsmöglichkeiten für Unternehmen und Fachkräfte in der Region.

    Wird importiertes Öl oder Gas durch heimische Erdwärme ersetzt, kann ein größerer Teil der Wertschöpfung vor Ort bleiben. Damit stärkt die Wärmeversorgung auch den Wirtschaftsstandort Gräfelfing.

  • Die Wärmeversorgung langfristig stärken

    Erdwärme steht unabhängig von Wetter und Jahreszeit zur Verfügung. Sie kann einen großen Teil des regelmäßigen Wärmebedarfs decken und die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten verringern. Ergänzende Wärmeerzeuger sichern Spitzenlasten und Ausfälle ab.

    Eine lokale Wärmequelle schafft langfristige Perspektiven für die Versorgung. Die tatsächlichen Wärmepreise hängen jedoch auch von Investitionen, Strom- und Betriebskosten sowie den jeweiligen Tarifen ab.

  • Aktiv die Wärmewende für kommende Generationen gestalten

    Mit dem Ausbau der Geothermie investiert Gräfelfing in eine nachhaltige Infrastruktur mit langfristigem Nutzen für Bürgerinnen und Bürger. Die Gemeinde übernimmt eine aktive Rolle bei der Wärmewende und schafft die Grundlage für eine klimafreundliche Wärmeversorgung von morgen. Gleichzeitig unterstützt sie die langfristigen energie- und klimapolitischen Ziele Deutschlands und trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region bei.

    Weitere Informationen über die Rolle, die die Geothermie künftig im deutschen Energiesystem einnehmen wird, finden Sie in der „Roadmap Tiefe Geothermie für Deutschland“. Dort werden Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufgezeigt, um die Wärmewende erfolgreich zu gestalten.

Fotografie von Gräfelfing mit Alpenblick